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Kein Hochhaus auf der Sichelfläche in Neumühlen?

Posted in Altona, Hafen, Hamburg by Kay on 23. April 2010

Ich muss zugeben, ich kenne mich mit Architektur nicht besonders gut aus. Ich stelle mich vor ein Haus oder ein Gebäudekomplex und sage mir, es sieht gut aus und passt oder auch nicht.

Nun habe ich nach langer Zeit mal wieder den Altonaer Balkon besucht. Als ich dann das in der Luft hängende, die Hamburger Docks und die Elbe versperrende Hochhaus vom Holzhafen gesehen habe, sagte ich mir, es passt definitiv nicht in die Landschaft und ich war völlig fassungslos.

Daraufhin nahm ich mir dann vor, die öffentliche Anhörung der Bezirksversammlung Altona hinsichtlich der Neubebauung der Sichelfläche in Neumühlen zu besuchen, wo ebenfalls ein Hochhaus entstehen soll.

Der Saal im Bezirksamt Altona war an dem Tag sehr gut besucht und schon fast überfüllt.

Ich schätze mal, es waren über zweihundert Bürger da, worüber ich sehr erstaunt war.

Nachdem die einzelnen Redner vorgestellt wurden, fing der Architekt mit seinem Vortrag an. Er hatte den ersten Preis für das Projekt beim Architekturwettbewerb gewonnen. Die ersten Zeichnungen vom Hochhaus wurden über eine Projektorleinwand gezeigt und es ging ein Stöhnen durch den Saal. Das Hochhaus versperrte einen großen Teil des Elbblicks.

Ich fand die gesamte Ausführung vom Architekten sehr interessant und merkte, dass er sich mit dem Projekt sehr viel Mühe gegeben hatte. Er meinte, er hätte drei Jahre Vorbereitungszeit benötigt.

Dann durften Fragen gestellt werden. Die erste Fragestellerin brachte ihre Kritikpunkte vor und sagte ihm auch gleich ziemlich selbstbewusst, dass aus diesem Traum nichts werden würde.

Das tat mir natürlich für ihn etwas leid, da er wirklich gezeigt hatte, dass er sich mit dem Projekt sehr lange auseinandergesetzt hatte. Auch die Zeichnungen und Grafiken fand ich super.

Aber es gab auch noch viele weitere Fragesteller und man merkte schnell, dass man es mit sehr kompetenten und fachkundigen Menschen zutun hatte. Und schnell wurde klar, dass sehr viele Kritikpunkte bei den Projektvorbereitungen nicht berücksichtigt wurden, die auch den Donnerspark betreffen. Zum Beispiel, dass wir mit dem Park und der Geschichte des Parks ein Erbe angetreten haben, womit wir auch schonend umzugehen haben und dass ein Hochhaus hier viel zunichte machen würde. Es wurde diskutiert über den Schatten, den das Hochhaus auswerfen würde usw.

Ich fand viele Argumente sehr interessant.

Nun sieht es so aus, dass wohl ein Hochhaus nicht gebaut wird, worüber ich selber auch glücklich bin. Viele Punkte der Kritiker hatten mich überzeugt und ich habe es ähnlich gesehen.

Und es sieht wohl tatsächlich auch so aus, als ob viel Vorbereitungszeit vom Architekten umsonst war.

So stelle ich mir einen Architekturwettbewerb vor: Ausschreibung Architekturwettbewerb, Architekturwettbewerb, sehr lange Vorbereitungszeit, hohe Preisgelder und sicherlich auch in vielen Punkten außer Spesen nichts gewesen.

Und warum? Weil man viele Dinge einfach nicht berücksichtigt hatte.

Als Außenstehender kam es mir so vor, als wenn man vergleichsweise ein Produkt in der Wirtschaft in die Massenproduktion stellt, ohne vorher zu testen, ob es beim Verbraucher ankommt oder sinnvoll ist.

Ich hatte mir auch einmal Ausschreibungen für Architekturwettbewerbe angeschaut und war sehr überrascht, über die Larifari-Ausführungen, mit der Architekten nun loslegen sollten.

Vielleicht sollte man Architekturwettbewerbe neu überdenken und andere/neue Wege gehen. Das könnte Kosten sparen und Bürger vor schlimmen Überraschungen bewahren, wie die Veranstaltung gezeigt hatte. Ich finde es persönlich auch nicht gut, wenn es schon Preise gibt, bevor die Häuser überhaupt stehen und es später bei der Bevölkerung den großen Aufschrei gibt.

Aber so ist das wohl bei Architekturwettbewerben. Ich bin halt auch nur Außenstehender und kann somit hier nur meinen Eindruck vermitteln, den ich momentan von solchen Wettbewerben habe.

Der Architekt vermittelte während der Veranstaltung den Eindruck, als ob er etwas geknickt gewesen sei, was ich auch verstehen kann.

Ich habe mir das heute noch einmal vor Ort angeschaut und bin der Meinung, ein Hochhaus sollte man dort nicht hinbauen.

2 Antworten

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  1. lars said, on 29. Juni 2010 at 07:49

    hallo kay,
    ich bin architekt und auch nicht unbedingt für den turm und das neue hochhaus am holzhafen ist an dieser stelle wahrscheinlich auch fragwürdig, obwohl ich finde das der rest der (niedrigen) gebäude den blick noch mehr verstellt…
    zu deinen anmerkungen was preise betrifft: der architektenwettbewerb wird gemacht damit der bauherr und die stadt sich aus mehreren architekturentwürfen den besten aussuchen kann. der erste preis bedeutet also nicht das er für sein schönes gebäude schon vorab einen preis bekommen hat, sondern „nur“ das er aus ca 5 entwürfen auf den ersten platz gewählt wurde.
    im regelfall sind die auslobungen zum wettbewrrb mehr oder weniger „larifari“, damit ein möglichst breites spektrum an unterschiedlichen ideen entsteht, je enger die beschreibung desto gleicher die ergebnisse und grade hier an diesem ort sind sicher viele varianten denkbar, zb turm und flach.
    was nun die bevölkerung angeht kann man ja schlecht vor jedem bauprojekt eine bürgerbefragung vornehmen, in der regel sind die leute mit einer meinung die anwohner und dort finden sich auch immer leute die gegen jegliche bebauung oder veränderung vor ihrer haustür sind auf der anderen seite wird jedoch sowohl wohnraum als auch immernoch moderne bürofläche benötigt…. ein dilemma… und das hochhaus hat nunmal den vorteil das sehr viel nutzfläche auf nur sehr wenig bebaute fläche passt, sprich im idealfall platz bleibt um auch dran vorbei auf die elbe und den hafen zugucken.
    na und was die vielen nicht bedachten punkte betrifft, argumente dagegen finden sich immer, nicht nur in der architektur 😉

  2. Kay said, on 30. Juni 2010 at 09:53

    Vielen Dank für den ausführlichen und aufschlussreichen Kommentar.

    Hinsichtlich des Holzhafens ist mir natürlich auch aufgefallen, dass die niedrigen Häuser den Blick auf das Wasser und die Docks versperren. Kann man leider jetzt nicht mehr retten. Von der Architektur her gesehen, aber in meinen Augen alles noch vertretbar (bis auf das Hochhaus). Aber natürlich trotzdem Schade, was den Ausblick vom Altonaer Balkon betrifft.

    Was Architektenwettbewerbe und Preisvergabe betrifft, da bin ich jetzt auch etwas aufgeklärter. Leider aber nicht der größte Teil der Bevölkerung. Das wird wohl sehr oft von vielen Menschen falsch verstanden. Da wird ein falscher Eindruck vermittelt.
    Was unterschiedliche Ideen bei einem Wettbewerb betreffen, das läuft nach meiner Meinung auch sehr oft schief. Schönes Beispiel ist der neue Kreuzfahrtterminal in Altona. Für mich sehen alle Modelle fast gleich aus, wobei man sich von den fünf vorgestellten Terminals in der Tat den schönsten Terminal ausgesucht hat. Allerdings ist auch der für mich so hässlich, dass ich den schon jetzt vor mir in ein paar Jahren abgerissen sehe, bevor er überhaupt gebaut wurde. Kein Terminal mit einer Hafen-, Kreuzfahrt und Schifffahrtsromantik. Wenn man sich in ein paar Jahren entscheiden sollte, dort keine Kreuzfahrtschiffe mehr anlegen zu lassen, dann kann man das Gebäude abreißen. Ein Gebäude, was auch zu der allgemeinen Schifffahrt und dem Hafen passt (Beispiel Fischauktionshalle von 1896), hätte man weiter nutzen können. Man denkt und schaut immer nur geradeaus, ohne zu sehen, was links und was rechts passiert. Sehr schönes Beispiel ist der Englandterminal. Dort ist jetzt Leerstand, von außen fängt das Gebäude langsam an zu rotten, dreckig und hässlich zu werden. Das kann man dann gleich mit abreißen. Und eine Sache werde ich nie vergessen, gerade bei dem Gebäude hat mein Vater damals zu mir gesagt: „Das Gebäude hat sogar einen Preis gewonnen.“
    Was das Areal West betrifft, da zittern mir jetzt schon die Knie. Hoffentlich geht das alles gut. Nicht das man jetzt sagt, wir müssen das Areal West dem Kreuzfahrtterminal anpassen. Für das Gebiet wäre das langfristig gesehen eine Katastrophe.

    Mir gefällt zum Beispiel der Fischmarkt (St. Pauli) sehr gut. Und da stehe ich mit meiner Meinung wohl auch nicht alleine da. In dem Stil hätte man das weiterbauen können.

    Ich würde es schon wichtig finden, wenn man die Modelle mit der Bevölkerung bespricht. Da können sich dann auch mehr Ideen entwickeln, die nicht immer unbedingt schlecht sein müssen.

    Ich glaube, in Hamburg werden gerade sehr viele Fehler gemacht. Sei es die westliche Hafencity hinsichtlich der Urbanität oder auch die Perlenkette. Alles Projekte, die sich später schlecht korrigieren lassen. Wirklich schade um Hamburg.


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